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Ein Blick in die Rebberge. Und plötzlich bin ich gedanklich wieder in Bratislava und Budapest.

Zwei Frauen geniessen die Aussicht, missmutige Kunstfiguren beobachten Museumsbesucher, und in Budapest wachsen Bäume durchs Dach. Drei Gebäude, die meinen Blick länger fesseln als manche Ausstellung.

Die beiden Frauen haben es sich gemütlich gemacht. Im obersten Stock des Vitra Hauses in Weil am Rhein sitzen sie in zwei Coconut Chairs von George Nelson und schauen in die Rebberge. Die Sessel kosten ein kleines Vermögen. Die Aussicht ist unbezahlbar.

Bratislava: Überraschung an der Donau

Mich erinnert die Szene an ein paar ziemlich schlecht gelaunte Herren in Bratislava. Erst wenige Wochen ist es her, dass ich auf meiner Reise durch fünf Hauptstädte in 15 Tagen vor ihnen stand. Auch sie schauen durch ein riesiges Fenster. Allerdings sind sie klein, runzlig und haben überdimensionierte Köpfe. Der slowakische Künstler Viktor Frešo hat sie geschaffen und «Niemand» genannt.

Durch die Scheiben beobachten die missmutigen Herren die Besucher, die zwischen Skulpturen und Donauufer spazieren. Von draussen schauen die Menschen zurück.

Das Danubiana Meulensteen Art Museum liegt rund 20 Kilometer südlich von Bratislava auf einer künstlichen Landzunge, flankiert von der Donau und einer Kajak-Trainingsanlage. Ein solches Museum für moderne Kunst hätte ich hier nicht erwartet. Mein Bild der Slowakei mit ihrer kommunistischen Geschichte braucht offensichtlich ein Update. Das Museum steht seit 26 Jahren hier.

Peter Žalman entwarf den ursprünglichen Bau als römische Galeere. 2014 erweiterte Ján Kukuľa das Museum mit grossen Glasfronten zur Donau hin. Die Erweiterung wurde als slowakisches Bauwerk des Jahres ausgezeichnet. Manchmal schaue ich länger auf das silbergraue Wasser als auf die Kunst.

Budapest: Wo Bäume durchs Dach wachsen

Budapest hat seine Grünanlagen gern ordentlich. Rund um das mehrfach ausgezeichnete Haus der ungarischen Musik im Stadtwäldchen wachsen dagegen wild wirkende Stauden. Der japanische Architekt Sou Fujimoto lässt Bäume durch Öffnungen im weit ausladenden Dach wachsen.

Dieses Dach setzt sich vom Innenraum nach draussen fort, nur eine Glasscheibe trennt die beiden Bereiche. Draussen machen ein paar Musiker Pause. Für sie ist das ungewöhnliche Gebäude offenbar ein ganz gewöhnlicher Arbeitsplatz. Ich muss zweimal hinschauen, um zu erkennen, wo das 2022 eröffnete Gebäude aufhört und die Natur anfängt.

Eigentlich bin ich wegen der Architektur gekommen. Doch im Untergeschoss bleibe ich an «Freddie – The Exhibition» hängen. Bühnenoutfits, Erinnerungen von Weggefährten und Ausschnitte aus Queens legendärem Konzert von 1986 in Budapest. Ich höre länger zu als geplant.

Als ich wieder nach draussen trete, geht mir «I Want to Break Free» durch den Kopf.

Draussen vor den Fenstern des Vitra Hauses liegen noch immer die Rebberge. Die beiden Frauen sind inzwischen gegangen. Ich nehme ihren Platz ein. Der Sessel ist tatsächlich erstaunlich bequem.

Tipps und Links

Vitra Haus, Weil am Rhein

Designklassiker nicht nur anschauen, sondern ausprobieren. Im Vitra Haus von Herzog & de Meuron ist Probesitzen ausdrücklich erwünscht. 
Charles-Eames-Strasse 2, 79576 Weil am Rhein, Deutschland
vitra.com

Danubiana Meulensteen Art Museum, Bratislava

Ein spannendes Museum für moderne Kunst, rund 20 Kilometer ausserhalb von Bratislava, direkt an der Donau. Unbedingt auch durch den Skulpturenpark spazieren und auf der Terrasse einen Kaffee trinken.
Vodné dielo Čunovo, 851 10 Bratislava-Čunovo, Slowakei
danubiana.sk

Mein Tipp: Das Klappvelo im Bus zum Museum transportieren und nach der Ausstellung auf dem Donaudamm zurück nach Bratislava radeln.

Haus der ungarischen Musik, Budapest

Der japanische Architekt Sou Fujimoto lässt Bäume durch das Dach wachsen und führt die Decke vom Innenraum bis nach draussen. Auch das Ausstellungsprogramm verdient Aufmerksamkeit. Noch bis Ende Februar 2027 läuft «Freddie – The Exhibition» über Freddie Mercury und seine Verbindung zu Budapest.
Olof Palme sétány 3–5, Budapest.
Haus der ungarischen Musik