Ein Wochenende im Luxusresort Whitepod zwischen Schneeflocken, Nachhaltigkeit und der Frage, was eigentlich echt ist.
- Philosophische Annäherung an Luxusresort White Pod
- Tipps zu Skitouren, Schneeschuhwanderungen und Schlittenfahrten
- Erlebnisbericht über ein nicht alltägliches Konzept
- Infos zu Anfahrt mit ÖV und Auto
Drei Stunden, vier Verkehrsmittel, ein letzter Bus, der nur alle zwei Stunden fährt. Die Reise ins Whitepod-Hotel ob Martigny ist eine kleine Expedition; nicht in die Wildnis, sondern in eine gestylte Vorstellung von ihr. «Eco-Luxury Resort» auf 1400 Meter über Meer steht auf der Website. Ich frage mich, was das ist: ein Widerspruch oder ein Versprechen?
Wir kommen in der Dämmerung an. Gräupel rieselt und der Nebel verschluckt die Konturen. Am Rand eines unbeleuchteten Parkplatzes schimmert sanft die Leuchtschrift «Réception». Wir wandern durch einen dunklen Korridor. Es ist kein Empfangstresen, eher eine Schwelle in eine andere Welt.
Und dann, plötzlich, öffnet sich ein Raum: warm, mit flackerndem Feuer, weichem Licht und Loungeklängen. Das Fenster rahmt den Blick auf die andere Talseite – beleuchtete Dörfer wie verstreute Sternbilder. Ich bin überrascht.
Der Resort-Manager serviert einen Tee. Er holt uns gedanklich über die Schwelle, reicht uns einen Rucksack mit Stirnlampen, Arealplan, Schneeschuhe und Spikes. Es fühlt vertraut an, ein bisschen wie eine Skitour im Vollmondlicht, nur geordneter. Abenteuer à la carte.
Das Whitepod-Dorf besteht aus weissen Kuppeln, auf Holzplattformen thronend wie Raumstationen über dem Unterwallis. Die Pods im Kapselstil sind ausgestattet mit Pelletofen, Boxspringbett und Dusche. Man öffnet sie mit einem Reissverschluss so gross wie der Anspruch des Konzepts.
Der Ofen spendet verlässliche Wärme, doch die dünne Hülle des Pods lässt sie rasch entweichen. Die Dusche ist so fein eingestellt, dass sie kaum mehr als ein Nebel ist – eine pragmatische Lösung mit Blick auf den Wasserverbrauch. Komfort, reduziert auf das Nötige.
Gleichzeitig wird das Gepäck per Raupenfahrzeug angeliefert, durch die verschneite Landschaft, laut und sichtbar. Whitepod spricht von Nachhaltigkeit – von energiesparender Bauweise, regionalen Pellets, Quellwasser und ressourcenschonenden Abläufen. Vieles davon ist gut durchdacht. Und doch bleibt eine Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung.
Vielleicht ist Nachhaltigkeit in einem solchen Kontext weniger ein Ziel als ein Versuch – ein Balanceakt zwischen Angebot und Achtsamkeit, zwischen Inszenierung und dem echten Willen, Dinge anders zu machen.
Der Weg zur Sauna führt durch das sogenannte Social Cabin. Was wie ein Rückzugsort klingt, entpuppt sich als Labyrinth der Selbstoptimierung: Box-Dummy in Raum eins, Kunstrasenlaufband in Raum zwei, Yogabälle in Raum drei, ein Eisraum ohne Eis, weil die Kühlung versagt zu haben scheint.
Wir lachen, wir hauen zu, wir verlieren uns ein wenig. Dann endlich, hinter Tür vier: Wärme, Holzduft und Aussicht. Vor die Sternenbilder hat sich Nebel geschoben. Der Reiz des Mystischen entfaltet seine Wirkung. Ich schliesse die Augen und frage mich, warum ich hier schwitze – zur Erholung oder als Teil eines durch inszenierten Erlebnisses? Ich beschliesse, die Gedanken mit dem Nebel ziehen zu lassen.
Am nächsten Morgen liegt das Tal noch im Dunst, als wir auf Schlitten zur Brasserie «Alpage Les Cerniers» zum Frühstücken ruckeln: Alpkäse, Hummus, Pain au chocolat. Regionalität trifft Fusion. Nachhaltigkeit trifft Instagram. Das Team ist jung, der Service exzellent, die Musik französischer Jazz. Alles sitzt. Ein Schluck, ein Lächeln –
und der Widerspruch löst sich auf wie der Zucker im Cappuccino.
Doch dann zurren wir die Schneeschuhe an. Endlich raus. Wir lassen das Igludorf hinter uns und geben uns dem knirschender Schnee hin, vor uns her treibt nur die Atemwolke, als wir den steilen Hang hochkraxeln, Olivias Lachen im Ohr. Wir ziehen als Erste die Spur durch den verschneiten Wald.
Es ist still. Ganz still. Zwischen den Tannen entdecke ich Spuren im Schnee von Hasen, Mäusen, Fuchs und Eichhörnchen. In diesem Moment ist alles echt. Oder das, was ich als echt empfinde.
Später, zurück im Hotpot, betrachte ich die dampfende Schneelandschaft und denke: Vielleicht ist die eigentliche Frage nicht, ob Luxus nachhaltig oder Natur inszeniert ist. Sondern: Wie viel Stille wir aushalten, bevor wir sie mit Konzepten zudecken.
Braucht es hier ein Fazit? Wenn ja, dann wäre es folgendes: Das Whitepod-Hotel ob Martigny ist nicht die Natur. Aber es kann ein Ort sein, der uns zu ihr hinführt – wenn wir es zulassen.
Zwischen Design, Dampf und Dämmerung habe ich Momente gefunden, die sich nach Wahrheit anfühlte. Und das ist mehr, als viele andere Reisen versprechen.
Unnützes Wissen und Tipps zum Whitepod-Hotel
- Das englische Wort «Pod» bedeutet wortwörtlich «Schote», beispielsweise eine Erbsenschote, aber auch «Kapsel».
- Barrierefrei? Nein, denn man stapft über Trampelpfade zu den Pods.
- Frühstück und Abendessen werden in der Brasserie d’Alpage Les Cerniers serviert.
- Es gibt einen Lieferservice für Honneymooner und Erholungsuchende. Gegen Aufpreis.
- Skitourenausrüstung mitbringen. Die Skitour auf den Dent de Valerette beginnt beim Whitepod-Hotel, 3 Stunden, 920 Meter Aufstieg, WS, Ausrichtung NO/NW
- Schlitten, Schneeschuhe und Skistöcke gibt es an der Réception kostenlos.
- In der Nähe befindet sich ein hübsches, kleines Skigebiet. Les Giettes – Monthey
- ÖV: Ab dem Bahnhof Monthey (SBB) fährt der Bus Nr. 63 bis nach Les Cerniers, die Station heisst «Restaurant Les Cerniers», die Endstation. Die Fahrt dauert rund 45 Minuten.
- Parkplätze sind vorhanden.
Diese Pressereise erfolgte auf Einladung.