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Jürg und ich beschliessen im Jura, dass wir die lustigsten unserer Bike-Abenteuer auf meinem Blog posten.

Alles beginnt mit einer Velofahrt über die wohl komplizierteste Kreuzung der Stadt Bern. In meiner Tasche liegt das Nummernschild meines Autos, das ich auf dem Strassenverkehrsamt abgeben werde. Nach meinem Umzug in die Stadt brauche ich den Peugeot nicht mehr. Dass diese Fahrt über drei Rotlichter, Tramlinie und zwei Querstrassen der Auftakt in eines meiner grössten Abenteuer ist, ahne ich noch nicht.

Mit dem Erlös des Autoverkaufs leiste ich mir einen E-Framer Eiger, ein E-Mountainbike mit der wohl fluffigsten Federgabel, die es je gegeben hat. Damit rase ich nicht nur durch die Stadt an den Arbeitsplatz, sondern auch über ganz viele Single Trails. Dabei gibt es immer mal wieder kleine Zwischenfälle, so dass Jürg geschickt den Schlauch flickt. Zum Beispiel auf dem Stockalperweg vom Simplon runter nach Gondo und weil flicken so schön ist, zwei Kilometer später noch einmal.

Und hier noch eine Episode aus unseren Ferien in Kroatien: Der E-Framer lehnt lässig zusammen mit Jürgs Trek an einen Handlauf. Der Handlauf dient Badenden für den Ein- und Ausstieg in die Adria. Wir aber nutzen ihn, um ein spektakuläres Farbfoto der beiden Bikes zu machen. Schaffen es dann doch nicht, weil eine Welle unsere Pläne durchkreuzt. Statt zu knipsen, rennen wir. 

Ein gutes Jahr lang bereitet mir der «Eiger» grosse Freude, bis er eines Abends nicht mehr an seinem Platz steht, als ich von einer Vernissage zurückkomme. Die Versicherung bezahlt sofort, aber doch bin ich traurig. Ich romantisiere die Abenteuer mit meinem E-Framer und verfalle gar in eine süsse Melancholie. 

Ich nehme mir vor, endlich über meinen Schatten zu springen und mich für ein neues Setting zu öffnen. Jürg gibt mir den Tipp, erst einmal ein billiges Stadt-E-Bike zu kaufen, das mir niemand mehr stehlen wird.

In der Landi finde ich einen Stromer namens Speedster, ich nenne ihn Speedy, der ins Budget passt. Sein einziger Fehler ist diese unsägliche Hupe. Kaum beugt man sich über den Lenker, dröhnt es – einmal nachts um zwei direkt unter dem Schlafzimmerfenster der armen Frau Lüond. Das soll nicht wieder passieren. Also hole ich eine Beisszange, und schneide das gute Teil weg. 

Die Stille ist wirklich angenehm, nur blöd, dass mir das Speedy’s Motor übel nimmt … Ein paar Telefonate später, eine Fahrt ins Reparaturzentrum und Tage später eine zurück. Mein Speedy steht nun wieder in meinem Velounterstand. 

Als Ergänzung zum klobigen Landi-Bike bestelle ich mir noch ein wendiges Canyon, auch das trotz der tollen Komponenten viel günstiger als der «Eiger». Mit dem Canyon möchte ich Single Trails befahren und andere wilde Touren machen. Die erste Fahrt im Wallis ist ein Traum, die Rockshox Pike-Federgabel federt ebenso fluffig wie jene des Eigers. Das Canyon sitzt wie angegossen, spult nicht im Schnee und der Akku hält auch noch eine Stunde länger als der alte.

Nun ja, ich sollte in der Vergangenheit schreiben: Es sass wie angegossen. Nachdem Jürg und ich ein bisschen rum geschraubt haben … aber liess doch selbst, weshalb wir schrauben und was dann alles passiert im nächsten Blog-Eintrag.

Nach 30 Jahren als Autobesitzerin bringe ich das Nummernschild zurück aufs Strassenverkehrsamt.
Ein bisschen schmal ist es schon auf den Single Trails in Kroatien, aber mit dem E-Framer Eiger machts Spass.
Unsere Velölis in der Kvarner Bucht Kroatiens. Später stellen wir sie an den Handlauf im Hintergrund, um ein spektakuläres Bild zu machen, bis eine Welle sie erfasst.
Auf zur Testfahrt des neuen Canyon Neuron 7 on. Hoch über Monthey liegt Ende April noch Schnee.
Stockalperweg von Simplon nach Gondo: Flickrunde eins oben und Flickrunde zwei unten ...
Im Frühling 2024 bin ich mit dem Bike im Obers Heiti in Latterbach im Berner Oberland in den Schnee geraten.
Was für eine tolle Aussicht auf den Niesen man vom Obere Heiti oberhalb von Latterbach im Simmental hat. Mein Neuron schaffte den Schnee übrigens spielend.